SPIEGEL-Titelstory: Wie man aus einer Mücke einen Elefanten macht

Preisfrage: Woran merkt man, dass eine Redaktion keine Idee für sinnvolle Themen hat?
Antwort: Sie macht aus einer Mücke einen Elefanten.

DER SPIEGEL hat nun in seinem aktuellen Heft (Nr. 27/2011) als Titel über das “verborgene Netz der Internet-Verbrecher” (Die digitale Unterwelt) geschrieben und dieses auch mit einem tollen Titelbild garniert.

Titelbild DER SPIEGEL - Ausgabe 27/2011
Titelbild DER SPIEGEL – Ausgabe 27/2011

Im Heft war dabei eine toll aussehende Grafik, die anscheinend die Bedrohung durch das Internet zeigen sollte. Darin war zu lesen, dass “Cybercrime” von 2009 nach 2010 um sage und schreibe 19% zugenommen hat und mit der Tatwaffe Internet im Jahr 2010 knapp 247.000 Straftaten verübt worden seinen. Diese Grafik sah verdammt gefährlich aus. Gut an meinem Schreibstil kann man wohl schon erkennen, dass ich davon nicht wirklich beeindruckt war.

Nimmt man nämlich selbst einmal die im Artikel zitierte Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2010 zur Hand und schaut sich die Zahlen an, so bekommt man ein ganz anderes Bild:

Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2010

In Zahlen sieht das dann so aus:

Delikt 2009 2010 Veränderung Absolut Veränderung in % Anteil 2010
Straßenkriminalität 1.435.655 1.352.897 -82.758 -5,8% 22,8%
Gewaltdelikte 208.446 201.243 -7.203 -3,5% 3,4%
Diebstahl 2.344.646 2.301.786 -42.860 -1,8% 38,8%
Tatmittel Internet (2009=KA) KA 246.607 4,2%
Internet: Bereinigt 15 Länder ** 206.909 223.642 16.733 8,1% 3,8%
Cyberkrime (IuK-Kriminalität) 50.254 59.839 9.585 19,1% 1,0%
Gesamtkriminalität * 6.054.330 5.933.278 -121.052 -2,0% 100,0%
* Aufgeklärte und nicht aufgeklärte Fälle
** Im Jahr 2009 haben nur 15 der 16 Bundesländer für Internet-Straftaten eine Statistik geführt.
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik 2010

Der Anstieg der Fälle von “Cybercrime” (in der Statistik als IuK-Kriminalität bezeichnet) von +19% betrifft in absoluten Zahlen eine Zunahme der Fälle von 50.254 in im Jahr 2009 auf 59.839 Fälle in im Jahr 2010. Das ist ein Plus von 9.585 oder, wie gesagt 19%. Wenn ich nun eine Grafik mit den prozentualen Veränderungen baue, sieht das natürlich verdammt dramatisch aus. Wenn ich mir aber die absoluten Zahlen anschaue, so steht diesen Fällen eine Gesamtzahl von 5,933 Mio. angezeigten Delikten in im Jahr 2010 gegenüber. Wir sprechen hier also von 1% aller Kriminalitätsfälle im Jahr 2010.

Als 2. Zahl im Artikel tauchen, wie oben geschrieben, ~247.000 Fälle auf, die mit dem “Tatmittel Internet” begangen worden sind. Diese sind in der gleichen Grafik so angeordnet, dass man meinen könnte, die 19% Zuwachs beziehen sich auf diese 247.000. Auch hier hilft die offizielle Statistik weiter.

Zitat: Erhebungen zum Tatmittel Internet erfolgen seit dem Berichtsjahr 2010 in allen Ländern über eine entsprechende Sonderkennung. Insgesamt wurden 246.607 Fälle registriert.
Für die Vergleichbarkeit der Daten mit dem Vorjahr wurden die Werte eines 2009 noch fehlenden Landes 2010 herausgerechnet. Im Jahr 2010 wurden danach in 15 Bundesländern 223.642 Straftaten erfasst, die über das Internet begangen wurden (+8,1 Prozent, 2009: 206.909 Fälle).

Die Aussage der Statistik ist also, dass in den 15 Bundesländern, die in 2009 und 2010 berichtet haben, die Fälle von Straftaten mit dem “Tatmittel Internet” (tolle Wortwahl) um 8,1% zugenommen hat. Auf die Gesamtzahl der Fälle sind dies für 2010 also 4,2% aller Straftaten.

Neben diesen statistischen Verbiegungen, besitzt der Artikel inhaltlich eine gewisse unfreiwillige Komik. Da wird mal wieder lustig alles und jeder als Hacker bezeichnet, bloß weil er etwas Code zusammen klicken kann. Kein Wort wird darüber verloren, dass die geschilderten Fälle (Betrug, Geldwäsche, Bot-Netze), zu einem großen Teil der Fahrlässigkeit, Gier oder Unwissenheit (zu einem geringen Teil auch Dummheit) der Nutzer geschuldet sind.

  • Da kaufen Menschen bei einem nicht bekannten Shop im Internet Waren, die 50% unter dem Ladenpreis liegen, zahlen mit Vorauskasse und wundern sich, dass sie beschissen werden.
  • Da glauben die Leute irgendwelchen Spam-Mails, dass man ausgerechnet ihnen einen Job anbieten will. Sie müssten nur ein Konto zur Verfügung stellen, darüber Zahlungen laufen lassen und würden dafür ein paar hundert Euro bekommen. Jetzt mal ganz im Erst: Wer würde sich in einer Fußgängerzone auf so eine Sache einlassen?
  • Da laden sich Leute irgendwelchen Kram auf ihren Rechner herunter oder surfen mit einem veralteten Betriebssystem ohne Sinn und Verstand durchs Netz, und wundern sich, dass sie einen Trojaner, Keylogger oder was sonst noch für ein Geraffel auf dem Rechner haben.
  • Da fallen immer noch Menschen auf angebliche Emails ihrer Bank, ihres Spiele-Providers oder von sonst wem herein und liefern den Phishern gutgläubig und ohne Nachdenken, aller Warnungen und Hinweise zum Trotz, ihre Bank- oder sonstigen Accountdaten frei Haus. Das Geheule, wenn dann das Bankkonto oder der Online-Gaming-Account geplündert worden ist, kann man sich dann eigentlich schon schenken. Darum hier noch einmal:
    KEINE Bank und KEIN Providern wird IRGENDWANN oder IRGENDWIE nach PASSWÖRTERN, PINS, TANS, oder sonstigen Daten FRAGEN!!!

Alle diese Dinge zeigen eigentlich nur eines: Es wird noch viel zu wenig über das Internet aufgeklärt. Der Spiegel-Artikel hilft hier ebenfalls kein deut weiter. Im Gegenteil, es werden Äpfel mit Birnen verglichen. Darüber hinaus murxt Der Spiegel hier mit einer offiziellen Statistik herum und wickelt darum eine Titelstory, die das Papier nicht wert ist, auf dem sie gedruckt wurde. Die Bäume hätte man auch gut und gerne stehen lassen können. Wäre besser für das Klima gewesen.

Bei diesem “Qualitäts-Journalismus” kann man sich eigentlich nur noch an den Kopf fassen.
(Und dafür wollen die Verlage ein Leistungsschutzrecht. HAHA!! Not RLY! – Nicht wirklich)

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36 Comments

  1. Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Hatte das nicht erst vor ein paar Wochen der von uns allen geliebte Bundesinnenfriedrich publiziert? Gib also den Spiegelredakteuren nicht die Schuld, wenn sie gedankenlos abschreiben.

    • Naja, ich erwarte von einem Magazin wie dem Spiegel mehr als gedankenloses Abschreiben.
      Außerdem halte nichts von Panik-Journalismus, aber das scheint in letzter Zeit zunehmend Mode zu werden.

      • LOL, ausgerechnet vom SPIEGEL, dem neoliberalen Kampf- und Propagandablatt: ein guter Witz :-)

  2. Die PKS sagt nichts aus über das Vorkommen von Straftaten (aber auch nicht über die Häufigkeit der Verurteilung), sondern ausschließlich über die Anzahl, in wievielen Fällen die Polizei wegen etwas ermittelt. In den meisten Abofallen-Betrugsfällen wird die Polizei sicherlich nicht mal benachrichtigt.

    Außerdem kann man die Wahl dieser Story auch als ein Wachrütteln betrachten. Gleichzeitig prangerst du an, dass die Leute zu unvorsichtig mit ihren Daten wären. Selbst wenn es zu wenig Aufklärung im Artikel gibt, wie du schreibst (und das wäre sicherlich ein guter Ausbesserungsgrund des Artikels), so kann die Geschichte durchaus helfen, den Leser in dieser Thematik zu sensibilisieren.

    Im Kriminaljournalismus kann man ja auch nicht nur über Mord und Totschlag berichten.

  3. Interessant ist an der PKS auch, dass sie nur die REGISTRIERTE Kriminalität angibt. Starke Veränderungen können auch einfach an einem veränderten Anzeigeverhalten in der Bevölkerung liegen, die Dunkelziffer mag gleichgeblieben oder sogar gesunken sein – das liegt eben im Dunkeln.

  4. Statistiken verfälschen durch geschickt manipulierte Grafiken oder das Nebeneinanderstellen von Dingen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, das hat Tradition bei deutschen Medien, nicht nur beim Spiegel.

    Du selbst tust es letztlich auch ein wenig, indem Du die INTERNET-Fälle auf “Fahrlässigkeit, Gier oder Unwissenheit (zu einem geringen Teil auch Dummheit) der Nutzer” zurückführst. Klar, das ist nicht falsch, gilt aber ohne Internet genauso. Kaum ein Betrüger wäre erfolgreich ohne “Fahrlässigkeit, Gier oder Unwissenheit (zu einem geringen Teil auch Dummheit) der Nutzer”. Damit, dass Du das nicht erwähnst, versuchst Du genauso wie Spiegel, Deinen Leser in eine Denkrichtung zu stupsen.

    • @Susanne: Zugegeben, habe ich auch meine Motive und Motivationen beim Schreiben, wie sie jeder Mensch hat. Allerdings kann man auf einem Privaten Blog durchaus seine privaten Gedanken und Meinungen kund tun.

      Ich will auch bei weitem nicht so arrogant sein und behaupten, dass mir so etwas niemals nie passieren könnte.
      Wissen und eine gewisse Skepsis ist das einzige, was einen schützt. Im Internet genauso, wie im realen Leben, wobei man zwischen beiden Welten eh nicht mehr trennen kann und auch nicht sollte.

      Noch ein Gedanke am Rande: Das die Opfer von Betrug diesen nicht anzeigen, liegt vermutlich u.a. daran, dass es den Betroffenen selbst verdammt peinlich zu sein scheint oder sie denken, dass es eh keinen Sinn hat. Dabei werden viele Fälle, die angezeigt werden, auch aufgeklärt. Die klassischen Fälle haben im Schnitt eine Aufklärungsquote von 80% (Ausnahmen sind die Fälle von Kredit- und Zahlungskarten, z.B. durch die manipulierten Geldautomaten). Aussichtslos sieht also anders aus.

  5. Danke für den Artikel. Das Aufblasen der Statistik zeigt wieder einmal, wie nah der Spiegel der Regenbogenpresse ist.

    Beim Lesen habe ich mich allerdings gefragt, ob die englische Schreibweise “in 2010″ mittlerweile eingedeutscht ist? Nach meinem Kenntnisstand heißt es “2010″ (ohne in) oder “im Jahr 2010″.

  6. Ja, da gehen im RL Rentner, die körperlich so schwach sind, dass sie sich nur mit Rollator auf den Beinen halten können, auf die Straße und wundern sich dann, dass Täter versuchen, ihnen die Handtaschen zu entreißen! Wie naiv ist das denn!

    Den Opfern von Straftaten eine Mitschuld zu geben, finde ich ein ziemlich schwaches Argument.

  7. dieser “spiegel” … was ist das?

    nein, natürlich kenne ich dieses bedruckte ding, namens spiegel. das letzte mal habe ich ihn letzte woche beim arzt “gelesen”. ich habe angefangen, die geschichte über hitler und stalin zu lesen, diese große titelgeschichte … und hab die zeitung gleich weggelegt. egal welches thema, mMn kommt beim “spiegel” nur geschwurbel raus. was der beitrag oben wieder beweist …

    und trotzdem kommt man (als blogger) nicht am spiegel vorbei, da viele tagespolitische sachen über ihn laufen. warum eigentlich?

  8. Wenn mehr über Internetplattformen ge- und verkauft wird, ist eine Zunahme der “Straftaten” zu erwarten. Da meint dann der Kunde, ein bestimmtes Produkt gekauft aber nicht geliefert bekommen zu haben, z.B. Qualitätsmängel.
    Oder ein Verkäufer will einen Porsche bei Ebay nicht für 2€ versteigert haben. Wo gehandelt wird, gibts Streit. Wo gehandelt wird, da gibt es Meinungsverschiedenheiten und Streit.

    Diese Art, Kriminalstatistiken in Zeitungen so zu präsentieren, gehört eigentlich als Volksverhetzung angezeigt.
    Das war kein Dummkopf ohne Statistikkenntnisse, das war eine Zeitung mit inhaltlich-fachlich qualifizierten Journalisten und deshalb ist das absichtliche Falschdarstellung mit dem Ziel der Irreführung.
    Ich mag die Journalisten der Bild zwar nicht, aber die wussten, dass sie etwas falsches taten und sie wussten auch, warum.

  9. @Balduan ich sehe bei dem Vergleich vor allem das dieser hinkt.
    Der angenommene Renter MACHT nichts falsch er wird nur gezielt angegriffen und das ganz ohne seine Mitschuld.
    Wenn er dagegen meint statt seiner Gehilfe ein Skateboard zu benutzen, dieses ohne Bekleidung und mit einem dicken Buendel Geldscheine unter den Achselhoelen und das Nachts auf einer vielbefahrenen Autobahn…… DANN wuerde der Vergleich passen zu den Personen die im o.a. Artikel im Internet surfen.

    Ich begreife es nicht, dass nicht verstanden wird das “Tatort Internet” keine Personengebundene Straftaten aufweist sondern nur allgemeine. Es sind Zielgruppen die betroffen sind, nicht Lischen Mueller speziell, die keine Ahnung von Computern hat und dann vom boesen “Hacker” von Gegenueber ganz gezielt ausgenommen wird.
    Dadurch relativiert sich das ganze Statistik getue auf einen Haufen Faelle in denen vor allem die Unterhaltungsindustrie geschaedigt wird und auf einen weiteren Haufen Faelle in denen der Surfer selber der Taeter ist (Paragraph 184b StGB wird da sehr gerne angezeigt) und in Faelle bei denen der Computer-Nutzer mangels Wissens-Bildung / Dummheit, tatsaechlich betrogen wird (obwohl hier auch wieder Vorsicht geboten ist, da sehr viele Nutzer erst mal Betrug schreien nur weil es Ihnen an Wissen/Bildung fehlt aber nicht an Dummheit)

    Ueber solch Komplexe schweigen sich die Printmedien jedoch immer aus, da wird lieber das Feindbild “Internet” weiter bedient aber kein einziges Wort zur Vorbeugung verloren.

  10. Natürlich haben Opfer meist einen Anteil daran, dass ihnen etwas wiederfahren ist. Wäre man nicht zur Zeit A an Ort B gewesen, hätten einem der Räuber nicht überfallen. Das ist trivial. Und unvermeidbar. Von einer echte Schuld kann man da nicht sprechen. So ist nun mal das Leben.

    Dann gibt es aber noch solche Opfer, die durchaus einen größeren Anteil an ihrer Misere haben. In den meisten Fällen, weil sie gerade nicht mitdenken. Natürlich ist der große böse unterarmtätowierte Rocker der Täter, wenn er jemanden ins Krankenhaus prügelt und sollte dafür bestraft werden. Allerdings kann man von einem gewissen Karma sprechen, wenn das Opfer diesen leicht angeschwipst nud voll auf Hormon wüst beleidigt hat und sich trotz finsterer Miene und dickem Hals nicht davon überzeugen ließ, dass sein Mädel gar nicht sehen will, wie er diese 150 Kilo Muskeln mit seinen Gelbgurtkünsten flachlegt…

    Gut, das war jetzt ein übertriebenes Beispiel, aber im kleineren Maßstab passiert sowas recht oft. Die meisten Nebenstehenden denken sich bei solchen Szenen auch “Meister, ich würd’ das lassen…” und später dann “Tja, selber Schuld.”. Das mindert die Schuld des Täters nicht unbedingt, man sollte aber den Eigenanteil des Opfers immer bedenken. Und, nein, das aufreizend angezogene Mädel hat es nicht verdient, vergewaltigt zu werden. Ich weiß doch, dass dieses Beispiel immer kommt^^

    Nun zum Thema Internet: Die meisten Menschen machen es den Übeltätern wirklich leicht. Im RL haben wir gelernt, die Türen zu schließen und abzuschließen, keinen “Unser abgelegenes Haus ist die nächsten 4 Wochen leer, weil wir in Weitfortistan Urlaub machen und keine Freunde und Nachbarn haben”-Spruch auf dem Anrufbeantworter zu haben oder “für den Postboten” gut sichtbar an die Tür zu kleben. Wir machen mit zwielichtigen Gestalten mit Laptops unterm Mantel keine Geschäfte und unterschreiben nicht einfach Verträge, die wir nicht halbwegs gelesen haben. Beim Eintippen unserer PINs decken wir die mit der Hand ab und wenn jemand uns Angebote macht, die zu gut sind, um wahr zu sein, wissen wir, dass sie das sehr wahrscheinlich sind.

    Nun fehlt vielen Menschen noch der Lernprozess, dass das alles im Intenet auch gilt. Es wird oft genug gesagt. Jeder Bürorechner hat eine Firewall und eine Antivirensoftware drauf. Und alles wissen, dass das gut so ist. Aber im privaten Bereich spart man sich das, weil man das Ding ja nur für Ebay, Online-Banking und Einkaufen nutzt…und da kann ja nichts passieren, oder?

    Diese Menschen sind zwar nicht wirklich schuld, aber sie machen es einfach, sie zu betrügen. Wenn man verfügen würde, dass man keinen offiziellen Führerschein mehr machen müsste, um Autofahren zu dürfen, würde die Verkehrsdelikte auch hochegehen, weil mehr schlecht ausgebildete und unerfahrene Teilnehmer fahren. Daran sind dann aber auch nicht die Autos schuld. Oder deren Hersteller.

    Mir sind da die vorsichtigen Typen am Rechner lieber, die zuerst mal nichts machen, was sie nicht kennen. Die fragen dann einen Bekannten, der ihnen die Grundlagen beibringt und immer schön auf die Gefahren hinweist. Anders die Typen, die meinen, sie wüssten total bescheid und die keine Ahnung haben. Die mit ihren Kenntnissen hausieren gehen, aber blind in jede Phishing-Attacke laufen.

    Wenn einem WIRKLICH etwas daran liegt, diese Kriminalfälle zu verringern, dann muss man eben mehr aufklären. Vielleicht sogar eine Art “Pflichtkurs Internet” anbieten. Jaja, nun schreien alle wieder “Böser Überwachungsstaat!”, aber das haben die Kollegen damals auch geschrieen, als man den Autoführerschein eingeführt hat. Heute sehen wir das Ding als durchaus sinnvoll an.

    Also bitte, bitte klärt die Leute auf. Wer sich restlos naiv an die Maus setzt, wird schon bald Opfer werden. Und Aufklärung geht auch mit harten Fakten statt mit verbogenen Statistiken.

    Throm

  11. @Bürger
    >>Wo gehandelt wird, da gibt es Meinungsverschiedenheiten und Streit.
    Du verwechselst zivilrechtliche Klagen mit Strafrecht. Eine Kriminalstatistik erfasst nicht einen Streit über die Qualität von irgendwelchen Produkten. Das hat hiermit also nichts zu tun. Wenn von “Meinungsverschiedenheiten” geredet wird, betrifft das die Auslegung von Verträgen. Die Kriminalstatistik bezieht sich auf Betrug, man kann sagen mit Verträgen, die überhaupt nicht zustande gekommen sind.

    @ Balduan
    Zur Mitschuld am Verbrechen: Natürlich kann man dem Opfer in manchen Fällen eine “Mitschuld” geben. Natürlich nicht im juristischen Sinn. Die Tatsache, dass man aufgrund von Dummheit/Gutgläubigkeit betrogen wurde, mindert im Allg. nicht das Strafmaß. Aber ganz klar ist: Wenn man im Internet Kontodaten inkl. Pin angibt, weil die “Bank dies fordert” ist das dumm. Genauso dumm wäre es, beim Geldabheben einer Person die EC-Karte mit Pin zu geben, weil sie sagt:
    “Guten Tag, ich gehöre zur Bank und muss überprüfen, ob mit Ihrer EC-Karte alles in Ordnung ist. Geben Sie mir also bitte die Karte und die Pin. Morgen können Sie sie wieder abholen.”
    Keiner kann leugnen, dass das dumm ist.

  12. Immerhin mal keine Hitler-Story als Lückenfüller. Der SPIEGEL versucht was neues (win!), aber das Thema? Fail!

  13. Der Spiegel schreibt für Offliner, die haben Angst vorm Internet. Also wird diese Angst bedient. Das nennt man Marktwirtschaft.

    • Dann schreibt der Spiegel aber für eine schwindenden Anteil der Bevölkerung. Ich habe mir gerade den (N)ONLINER Atlas angeschaut. Im letzten Jahr waren in Deutschland 72% im Netz (ich unterstelle mal, dass die Zahlen stimmen), 3,8% waren “Nutzungsplaner” (d.h. diese wollten binnen 12 Monate online sein) und nur 24,2% sind noch echt offline. Das Internet ist also inzwischen so verbreitet, dass man eigentlich nicht mehr von 2 Welten sprechen kann. Ich meine, es sind ja immer noch echte Menschen im Internet unterwegs (auch die älteren zunehmend, 50-59 = 71,8%, 60-69 = 54%).

  14. ich glaube nicht, dass das internet mehr kriminalität erzeugt, die leute sind die gleichen. aber die “werkzeuge” und methoden der gangster ändern sich. ich glaube, dass das wachstum in unserem denken liegt: wir leben digital, aber wir denken, dass die sicherheitserfahrungen und -verhaltensweisen der analogen welt noch gelten. solange das so bleibt, haben internet-gangster bessere chancen.

    die seite http://litfas.de/computertreff/sicherheit.php zeigt, wie man die eigene sicherheit im internet verbessern kann (nur klagen wäre zu wenig!)

  15. korrektur: der 2. satz muss heissen:
    ich glaube, dass das PROBLEM in unserem denken liegt

  16. Also hochnäsig zu bemerken, dass man mit einem veralteten OS ja wohl selbst Schuld ist, wenn man betrogen wird, ist einfach. Das ist Klugscheißergescheibsel. Demnach ist so ziemlich jeder selbst Schuld, wenn er überfahren oder ausgeraubt wird, schließlich kann man doch wohl aufpassen.

    Denk doch auch mal an Otto Normalverbraucher, der entweder wenig Ahnung hat oder einfach kein Geld, sich das aktuellste OS und den besten Virenscanner zu besorgen.

    Vergleichbar mit der realen Welt wären das alte Leute, die Fremde eben doch in die Wohnung lassen, weil sie glauben, es wäre der Hausklemptner oder was weiss ich. Würdest Du so einem Opfer auch ins Gesicht sagen: “Selber Schuld, weil zu blöd?”

    Klasse!

    • Warum werden immer die alten Leute als Beispiel genannt? Gelten Senioren als so dämlich?

      Und Warum wird Raub und Betrug durcheinander geworfen?
      Raub: Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen.. (§ 249 StGB)
      Betrug: Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält.. (§ 263 StGB)

      Was das Betriebssystem angeht:
      1. Ist beim Neukauf einen PCs/Laptops meist ein aktuelles Betriebssystem installiert (Stichwort: OEM)
      2. Die Betriebssysteme und die Browser-Software (hier liegen inzwischen mehr Probleme als beim Betriebssystem selbst) aktualisieren sich allermeist übers Internet von selbst
      3. Wenn man kein Geld für ein aktuelles System hat, sieht es meist mit Internetzugang und moderner Hardware eh nicht so gut aus (Dieses Kein-Computer-für-Harz4-Urteil nur mal als Beispiel)
      4. Wer kein Geld hat oder ausgeben will, den kann ich Ubuntu empfehlen: Download heise.de / entsprechender Wikipedia-Eintrag

      Zur Viren-Software: Wir sprechen hier von 15-40 Euro je nach Produkt pro Jahr.

    • Hallo

      Also hochnäsig zu bemerken, dass man mit einem veralteten OS ja wohl selbst Schuld ist, wenn man betrogen wird, ist einfach. Das ist Klugscheißergescheibsel. Demnach ist so ziemlich jeder selbst Schuld, wenn er überfahren oder ausgeraubt wird, schließlich kann man doch wohl aufpassen.

      Ob man es gut findet oder nicht – aber im Internet gelten halt andere Regeln bezüglich Sicherheit. Gibt es eine Sicherheitslücke wird diese knallhart ausgenutzt werden. Das muss man nicht gut finden, aber daran ändern kann man erstmal wenig. Darum ist es eben wichtig die Software aktuell zu halten (vorallem Browser und Plugins (Java, Flash, Adobe-Reader)). Dies ist
      das Mininum was man tun müsste. Java-Sicherheitsupdates die eine Yahoo-Toolbar installieren wollen, Sicherheitsupdates von Adobe Reader und Flash die einen Reboot benötigen verwirren den normalen Anwender, habe ich schon oft im Familien und Bekanntenkreis gesehen. Das ist in der Tat ein Problem, aber da hilft nur Aufklärung und Erklärung. Google Chrome und Firefox versuchen auch schon aktiv gegen diese Probleme vorzugehen in dem man sich automatisch aktualisiert und auch bei veralteten Plugins gewarnt wird. Das ist derzeit der Angriffsvektor Nr.1

      Denk doch auch mal an Otto Normalverbraucher, der entweder wenig Ahnung hat oder einfach kein Geld, sich das aktuellste OS und den besten Virenscanner zu besorgen.

      Wenig Ahnung kann mit Lernen abhelfen. Das Problem ist eher die Ignoranz der gesamten Problematik gegenüber. Da gibt es etwas abstrakt böses, dass der SPIEGEL ja z.B. herrlich inzeniert und ein Unwillen sich mit den Hintergründen zu beschäftigen.

      Virenscanner sind übrigens meist sinnlos. Da diese nur auf bereits erkannte Schädlinge reagieren können. Zudem gibt es mit Security Essentials von Microsoft einen sehr guten kostenlosen Scanner. Wenn man keine regelmässigen Updates installiert und unbedarft Software installiert hilft auch der Virenscanner nichts, denn oft ist dieser das erste was unbemerkt deaktiviert wird.

      Vergleichbar mit der realen Welt wären das alte Leute, die Fremde eben doch in die Wohnung lassen, weil sie glauben, es wäre der Hausklemptner oder was weiss ich. Würdest Du so einem Opfer auch ins Gesicht sagen: “Selber Schuld, weil zu blöd?”

      Die “Selbst schuld” Fraktion lacht nur solange bis sie von einem Szenario getroffen werden das Ihre Psychologischen Schwächen ausnutzt. Viren kannst du auch für Linux und den Mac schreiben, das ist eventuell mittlerweile sogar einfacher als für Windows.

      Das Grundproblem ist die latente Unsicherheit von Software und die mies gelösten Update-Mechanismen dieser.

      Internet ist Krieg. Psychologisch und Technisch. Es geht um Ressourcen (Geld, Rechnenpower) und man sollte den Leuten klar machen, dass sie wachsam sein müssen. Nicht ängstlich oder panisch (um nochmal auf den SPIEGEL-Artikel einzutreten) sondern einfach wachsam.

      Sicherheit ist auch leider oft immer ein Tradeoff zwischen Bequemlichkeit und Schutz. Wer prüft denn den SHA-512 Hash seiner Bank? Wer weiß denn wie SSL funktioniert?

      zum Schluss:

      Morris’s Three Golden Rules of Computer Security

      “Do not own a computer;
      Do not power it on;
      and do not use one.”

  17. Ich glaub, die Diskussion hat sich vom eigentlichen Thema doch recht weit entfernt.
    Wenn ich Volker richtig interpretiere, geht seine Kritik doch dahin, daß ein Druckwerk wie der Spiegel,das noch immer der Hauch von investigativem Journalismus umweht, letztlich auch nur noch Trivialitäten verbreitet, und dann auch noch aus einer Mücke einen Elefanten macht, weil selbst diese Trivialitäten schlecht recherchiert oder absichtlich verdreht und skandalisiert werden.
    Ob es sich dabei um Internetkriminalität oder EHEC geht (die Artikel dazu hab ICH beim Arzt gelesen)oder sonst ein andres Thema: Spiegelleser wissen eben NICHT mehr mehr.
    Und die anderen Fragen, wer zu blöde ist oder welches OS grad das sicherste ist, darum gehts schlicht nicht, und das ist womöglich in einem Forum von Chip (Da kann man was lesen, eieiei…) besser plaziert, dort tummelt sich nämlich das Gros des “Klugscheißergescheibsels”(Danke MarX), hier jedoch komplett “Thema Verfehlt” sechs. setzen.

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